Tempo raus!

“Die Zeit drängt, deswegen lasst uns langsamer werden.”
– Bayo Akomolafe, nigerianischer Philosoph

Eine Schule, ob Ersatz- oder Ergänzungsschule, lässt sich nicht auf die Schnelle gründen – jedenfalls nicht, wenn sich die Bemühungen und der Aufwand nicht in Luft auflösen sollen d.h., wenn die Initiative sich nicht, wie so oft, wegen internen Streitereien zerschlagen soll.

Wenn wir aus der alten Welt, der alten Geschichte, heraus und etwas Neues gestalten wollten, dann geht das nicht mit der alten Denkweise und den selben Methoden. Dann braucht es eine neue Kultur des Miteinanders, einer Kultur der Verbundenheit. Dann braucht es das Einbeziehen der Gefühle – und dafür braucht es Zeit. Es braucht Zeit für innere (Gruppen-)prozesse, denn nur so entsteht wirkliche Verbundenheit. Gefühle sind langsamer als Gedanken. Daher heißt es immer wieder: “Tempo raus” und: “Störungen haben Vorrang”.
Auch wenn das anfänglich als sehr zeitraubend wirkt, zahlt es sich doch auf lange Sicht aus – und ist zudem unglaublich beglückend, wenn man solch einen Prozess durchlebt hat.

Das innere Wachstum jedes einzelnen wird durch die Gruppe angeregt und dadurch wächst auch die Gruppe zu einer starken Gemeinschaft zusammen. Es braucht Verständnis und Erkenntnis, um bewusst die Verantwortung für die eigenen Gedanken und Gefühle übernehmen zu können und so eine gemeinsame Konfliktkultur zu entwickeln, die auf Fehlerfreundlichkeit, Wertschätzung und Vertrauen beruht – wo die Äußerungen des Einzelnen als Phänomene des Lebens betrachtet werden und nicht das ganze Sein des einzelnen definieren.

All dies bekommt man nicht geschenkt, sondern es kann nur durch einen (Konflik-) Prozess nach dem anderen langsam erarbeitet werden. Es führt kein Weg drum herum. Die alte Geschichte sitzt uns allen in den Knochen und es wird viele unangenehme und schmerzhafte Prozesse brauchen, um sie zu lösen und zu verwandeln. Aber jeder durchlebte Prozess ist unglaublich bereichernd und befreiend.

Der Faktor Mensch ist daher die entscheidende Größe in einem prozessorientierten, lebendigen Projekt, das eine stabile und transformstionsfähige Gemeinschaft der neuen Geschichte werden möchte.

Wenn wie die Welt ändern wollen, müssen wir uns selbst ändern – von Grund auf und in jedem Detail. Man kann nicht mit altem Verhalten etwas Neues erschaffen. ‘Schnell’ ist kein Adjektiv der neuen, sondern der alten Geschichte. Achtsam im Hier und Jetzt zu sein gelingt nur mit Muße – nur in der Muße verbinden sich Tun und Sein zu einer Einheit.

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