Teamarbeit vs. Realität

Als wir mit der Schulgründung im Juli 2018 begannen, startete ich mit einer romantischen Vorstellung von Teamarbeit. Ich dachte, wir würden alles gemeinsam machen, jeder würde sich so viel er kann und so gut er kann einbringen, sich infomieren, mitdenken, Ideen entwickeln und Dinge übernehmen und tun. Eben ein richtig tolles Team, das gemeinsam durch Dick und Dünn geht.

Die Realität sah leider anders aus. Ich tat und machte, die anderen kamen nur, teils eine halbe Stunde zu spät und unvorbereitet, zu den gemeinsamen Treffen. Die gemeinsamen Gespräche waren toll und wichtig, keine Frage, aber für eine Schulgründung braucht es halt mehr als nur Gespräche.

So wuchsen in mir nach und nach der Frust und die Wut auf die anderen. Aber das wollte ich lange nicht zugeben. Ich unterdrückte diese Gefühle immer wieder, denn schließlich hatte ich ja das Bild von einer wertschätzenden und verbindenden Kultur des Miteinanders…. Erst nachdem ich fast platzte und gar nicht mehr weiter wusste, es einfach nicht schaffte, die anderen in das Bild hineinzupressen, dass ich mir so schön ausgemalt hatte, als nichts mehr half und ich mir endlich eingestehen musste, nein, mir endlich erlaubte wütend zu sein, änderte sich alles.

Eine Woche lang gab ich mich malerisch dieser Wut hin. Ich malte in den schrillsten und wütendsten Farben und Formen, die ich nur produzieren konnte. Langsam flache die Wut ab und wie ein Nebel, der sich langsam lichtet, konnte ich durch meine Wut hinduch sehen – und sah klar. Es fand eine positive Ent-täuschung statt. Ich konnte die anderen im Team wieder so sehen wie sie wirklich waren, mit ihren Fähigkeiten und Grenzen, ihren Möglichkeiten und ihrer Bereitschaft. Und dann kam auch die Wertschätzung zurück. Als ich nicht mehr sah was sie nicht taten, sah ich, was sie tun wollten und konnten – und konnte dafür dankbar sein. Gleichzeitig erkannte ich auch im Spiegel der anderen besser, was meine Stärken und Schwächen waren. Ich konnte mit neuem Stolz und Selbstbewusstsein meine Stärken und Fähigkeiten anerkennen und genauso meine Schwächen und Nicht-Fähigkeiten benennen und kommunizieren.

Schließlich stieß ich auf die Quellentheorie und mir ging ein weiteres Licht auf: ein erfolgreiches Projekt hat immer einen Menschen, der die Quelle des Projektes ist. Aus dieser Quelle kommt das Konzept, das Gefühl für das Konzept. Die Quelle spürt was passt, was stimmig ist und was nicht. Die Quelle gibt die Richtung vor und sie ist die Seele des Projektes. Aber die Quelle ist nicht unweigerlich die Person, die alles tun und können muß.

Die Quelle zu sein bedeutet eine große Verantwortung. Die Quelle zu sein, kann manchmal einsam sein und erfordert gute kommunikatorische Fähigkeiten. Die Quelle kann nicht tun und lassen was sie möchte. Sie ist Vorbild. Sie ist auch Projektionsfläche. Quelle zu sein ist eine Ehre und eine große Verantwortung. Die Quellen brauchen eine/n gute/n Mentor/in, um ihre Aufgabe weise und würdevoll zu tragen. Ohne eine solche Quelle, haben wenig Projekte eine Chance.

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