Die hohe Kunst der Achtsamkeit findet nicht auf dem Sofa statt

Die hohe Kunst der Achtsamkeit findet nicht auf dem Sofa statt, sondern mitten im Leben – immer dann, wenn wir eigentlich gar keine Zeit für sie haben. Wenn wir unter Stress stehen, wenn unsere Kinder ‘nerven’ und uns ‘wütend machen’, wenn wir nicht geerdet und bei uns sind. Momente in denen wir Achtsamkeit üben könnten, kommen daher immer sehr (un)gelegen.

An guten Tagen bemerken wir vorher, dass wir auf potentielle “Übungssituation” zusteuern und umschiffen sie bewusst und kreativ. An schlechten Tagen sind wir plötzlich mitten drin und wundern uns, wie wir dahin gekommen sind.

Aber auch mitten in diesem Gefühlschaos gibt es diesen einen Moment, in dem wir uns entscheiden können, welchen Weg wir wählen: gehen wir in die Bewusstheit und halten die unangenehmen Gefühle in uns aus, bis sie sich verwandelt haben und wir wieder bewusst agieren statt nur reagieren können? Oder verfallen wir in alte Mechanismen und lassen die negativen Energien unkontrolliert aus uns heraus wallen und unsere Mitmenschen damit beladen?

Der erste Weg gelingt eher wenn wir ausgeschlafen und in unserer Kraft sind. Müde und angeschlagen, ist er eine wahre Herausforderung. Die Liebe zu unseren Kindern, ein Blick in ihre kleinen Gesichter, kann jedoch auch an solchen Tagen noch Kräfte in uns mobilisieren, um die Situation achtsam zu lösen. Aber manchmal auch nicht.

Das Tolle, wenn man so will ist, das im letzten Fall, das Leben gleich die nächste Gelegenheit für uns bereit hält, um uns in Achtsamkeit zu üben. Nämlich dann, wenn wir auf Grund der verpassten Chance anfangen uns Selbstvorwürfe zu machen und uns schlecht fühlen, weil wir wieder mal ‘versagt’ haben. Dies ist dann der nächste Moment uns in Achtsamkeit üben zu können: anstatt uns selbst fertig zu machen, lassen wir unsere negativen Gedanken los und geben uns Selbstmitgefühl. Anschließend können wir dann die Beziehung zu unseren Kinder oder sonstigen Mitmenschen wieder aufnehmen und die volle Verantwortung für unsere Worte und Gefühle übernehmen.

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